Snowboard vs. Surfboard

Schnee ist auch nicht mehr als gefrorenes Wasser... Ein "Augen zwinkernder" Vergleich der Brettsportarten.

Nach einem vor kurzem erfolgten Ausflug in die tschechische Berg- und Märchenlandschaft sei gesagt:
Brettsportarten sind wunderbar, allerdings nur ohne viel "Geraffel"...

Anstehen am Lift mit kalten Händen, das umständliche Gefummel nach dem Kopfhörer, der den Soundtrack für die Abfahrt bereit hält. Mützen, Helme, Handschuhe, die das haptische Erlebnis eines bereits sehr alten Menschen imitieren und last but not least dieser Liftpass, der immer und immer nicht da ist, wo man ihn zuletzt hingesteckt hat.

Fällt dieser in der Schlage am Lift auch noch auf den Boden wird es akrobatisch.
Einen Fuß in der Bindung, auf dem Tail zwei Skier der nachrutschenden Menge, um die Körpermitte zwei Meter atmungsaktiven Stoff und dann: Einmal bücken, bitte. Danke.

Im Vergleich dazu Wellenreiten:
Im schlimmsten Fall ein Neoprenazug mit langen Armen und Beinen (meine persönliche Schmerzgrenze), ein bisschen Wachs, ein längeres oder auch kürzeres Surfboard - that´s it!
Je nach Glück oder Unglück fehlt der Finnenschlüssel, eine Ersatzleash oder der Durchblick für den jeweiligen Tag und Spot.

Eins der Dinge, die mir am Surfen besonders gut gefallen ist die Simplizität in der Ausführung. Zumindest wenn man von der Schwierigkeit der Durchführung absieht.

Es kann durchaus motivierender sein mit eingefrorener Nase auf einem Sessellift zu sitzen, an dessen Ende eine Eisplatte wartet, als an einem Strand minutenlang gegen die Strömung zu paddeln und nicht einen Zentimeter näher ins ersehnte Lineup zu gelangen.
Aber seien wir mal ehrlich - steckt nicht in jedem von uns ein bisschen Terrier?
Dann haben wir eben einen hochroten Kopf und Gummiarme. Einmal unter Wasser getaucht, geblinzelt und schon sitzt die Frisur wieder.

Ich möchte aber nicht oberflächlich sein. Surfen ist ja nicht nur "good looking", sondern vor allem "good feeling".
Die Niederlage im Kampf gegen die Elemente ist von kurzer Dauer, wenn man alles mit ein wenig Gelassenheit betrachtet.

Ich bin ja als David auch nicht eingeschnappt, wenn Goliath physisch die besseren Karten hat. Wer am Ende das „Untier“ bezwingt, steht in der Legende. Hier kann Goliath durchaus als eigenes Ego bezeichnet werden :)

Machen wir den Materialkosten Vergleich, unterscheiden sich beide Sportarten wenig.
Wo man für ein Snowboard lustige 600,- Euro hinblättern kann, ist man mit diesem Betrag auch bei einem Surfboard dabei.
Ich bin ja immer für "reduce, reuse, recycle".

Addieren wir die Menge der Artikel, schneidet das Wellenreiten allerdings wieder deutlich besser ab:
1. Boots (nein, nur in Seeigel verseuchten Gewässern und zwischen spitzen Steinen ratsam)
„Unsere“ kommen noch dazu ohne Senkel daher und sind von der Optik eines Gipsbeines weit entfernt.

2. Snowboardhose, Jacke, Rückenprotektor Handschuhe, Funktionswäsche und das ganze Schwitzzeug (Neopren gibt es in verschiedenen Stärken und Handschuhe sind nur etwas für Weicheier oder die wirklich harten Jungs und Mädels, die auch von Minusgraden nicht zurückschrecken)

3. Snowboard hatten wir schon...

4. Der wichtigste Punkt: SKIPASS. Gibts beim Wellenreiten nicht. Hinstellen, rauspaddeln, sich mit den Locals einigen. Fertig!

Nach diesem Kurzresumé ist deutlich klar, welche Sportart eine Materialschlacht hervorruft und welche nicht.
Trotzdem ist das „Surfen im Schnee“ für alle Landratten und Wintermenschen ein komfortable Lösung und (nach wie vor) auch eine meiner favorisierten Sportarten NEBEN dem Wellenreiten.

Tatsächlich ist der Frust auch nicht ganz so hoch, da man relativ schnell der abfahrende "Held im Zelt" ist, wogegen man beim Surfen auch mal die frustrierte Flunder auf dem Ozean bleibt.

Wer Kälte und tschechische Wintermärchen mag, muss ebenfalls dringend in den Schnee.
Da mir persönlich niemand bekannt ist, der die warme Sonne nicht wenigstens ein bisschen mag, vergebe ich diesen Punkt wieder an das Wellenreiten.

Natur sehen (oder sagen wir erleben) wir in beiden Sportarten. Je nach Wetterlage mal mehr und mal weniger. Deutlich energetischer ist das Wellenreiten, denn was ist eine Welle?
Eine Welle ist sich entladende Energie.
Mehr oder weniger berechenbar macht ein solcher Energiefluß einen Captain America aus uns oder einen Al Bundy. Und sind wir mal ehrlich. Energie, Mensch, Natur, Wasser, Sonne...? Gibt es etwas Schöneres?

Jetzt wo wir so über das Snowboarden hergezogen sind, würde ich so ganz am Ende aber doch noch eine kleine Lanze brechen wollen:
Was gibt es schöneres, als wenn die Sonne über die Berge scheint, eine unbefahrene Piste vor uns liegt und wir leise oder laut, die ersten sind, die dem neuen Tag entgegen fahren?

Endless Summer oder Endless Winter?
Was wählst Du?

Aloha
Eure Tine